Aktivkohle – nützlich, nutzlos, schädlich?

Wir begegnen ihr überall in der Schweiz: Aktivkohle taucht in der Zahnpasta genauso auf wie in der Zahnseide, wird zum Reinigen der Gartengeräte verwendet und kommt in Katalysatoren vor. Wir verwenden sie zum Putzen und für medizinische Zwecke genauso wie zum Färben von Nahrungsmitteln. Sie soll entgiften, reinigen und insgesamt besonders gesund sein. Doch was ist eigentlich dran an der ganzen Geschichte? Hilft Aktivkohle wirklich gegen Karies? Taugt sie als Reinigungsmittel für die Zähne? Ist sie wirkungslos? Oder gar schädlich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Aktivkohle.

Was ist Aktivkohle eigentlich?

Aktivkohle (auch: medizinische Kohle, zum Teil wird der englische Begriff für Holzkohle, charcoal verwendet) ist Kohlenstoff, der durch die spezielle Art der Aufbereitung über eine extrem grosse innere Oberfläche verfügt: Stell dir einen winzig kleinen Schwamm vor, der von Poren und Gängen durchsetzt ist und daher innendrin mehr Oberfläche hat als aussen. Vier Gramm dieses Kohlenstoffs können so die Oberfläche eines Fussballfeldes haben. Durch diese spezielle Eigenschaft kann Aktivkohle diverse Stoffe absorbieren, also in sich aufnehmen.

Woraus wird Aktivkohle eigentlich gewonnen?

Die medizinische Holzkohle wurde schon im Altertum in der Medizin gegen Vergiftungen und zur Wundreinigung verwendet. Um sie zu gewinnen, wurde unter Sauerstoffausschluss Holz oder anderes Material wie Nussschalen verkohlt. Heute wird Aktivkohle jedoch nicht nur aus pflanzlichen Materialien gewonnen, sondern ebenso aus tierischem Material wie Knochen oder Blut, aus mineralischen Grundstoffen oder aus Kunststoffen. Zum Teil fällt sie als Nebenprodukt an wie zum Beispiel beim Kwaerner-Verfahren zur Gewinnung von Wasserstoff. Willst du sichergehen, dass die Aktivkohle, die du kaufst, aus pflanzlichen Rohstoffen wie Torf, Nussschalen, Kokosfaser oder Holz hergestellt wurde, musst du zur Pflanzenkohle greifen.

Wofür wird Aktivkohle verwendet?

Aktivkohle kommt als Filter, etwa für die Reinigung von Gasen und Flüssigkeiten, zum Einsatz. Ihre absorbierenden Eigenschaften werden im medizinischen Bereich auch zur Bekämpfung von Vergiftungen genutzt. Im kosmetischen Bereich soll Aktivkohle Schmutz und Unreinheiten beseitigen. Darüber hinaus kann Aktivkohle als Trägermaterial eingesetzt werden, zum Beispiel bei Katalysatoren, als Elektrode oder als ungiftige Lebensmittelfarbe, deren intensives Schwarz Kuchen, Smoothies oder Marmeladen färbt.

Wie wird Aktivkohle medizinisch eingesetzt?

Medizinisch findet die Aktivkohle gegen leichte Vergiftungen Verwendung, die Durchfall zur Folge haben. Die Aktivkohle wird pur oder in Wasser aufgelöst eingenommen. Im Magen-Darm-Trakt des Körpers bindet sie dann diverse Stoffe, darunter die Giftstoffe. Diese werden dann mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Keinesfalls ersetzt Aktivkohle bei schweren Vergiftungen aber den Gang zum Arzt! Ausserdem ist zu beachten, dass die Aktivkohle nicht zwischen Gift und Nicht-Gift unterscheiden kann. Sie bindet also auch im Körper erwünschte Stoffe. Dadurch kann es dazu kommen, dass eingenommene Medikamente, auch zum Beispiel die Pille, nicht oder nur eingeschränkt wirken.

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Wir wirkt Aktivkohle in der Kosmetik?

Zunehmend wird Aktivkohle in Zahnpasta, Zahnseide, Gesichtsmasken oder Hautreinigungsprodukten eingesetzt. Sie soll die Haut entgiften und insgesamt bei der Reinigung unreiner Haut beziehungsweise der Zähne helfen. Es gibt auch tatsächlich Studien, die schwache Effekte dieser Art nahelegen. Allerdings ist hier zu bedenken, dass Aktivkohle einfach alles bindet, insbesondere also Wirkstoffe, die dem Produkt zugesetzt wurden, um zum Beispiel die Zähne zu pflegen. Hinzu kommt ein gewisser Politureffekt, der auf der Haut durchaus gewollt sein kann – etwa ein ganz feines Peeling – aber bei den Zähnen durchaus kritisch zu sehen ist. Auf der Haut wird Aktivkohle also zumindest nicht schaden; von Zahnpasta mit Aktivkohle raten Experten ab.

Führt Aktivkohle bei einer Verwendung beim Zähneputzen zu schwarzen Zähnen?

Unter dem Kürzel E153 stuft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Aktivkohle als unbedenklichen Lebensmittelfarbstoff ein. Insofern ist sie als Zusatz in Lebensmitteln relativ harmlos. Die Idee, Zahnpflegeprodukten Aktivkohle zuzusetzen, kommt wohl daher, dass Aktivkohle in Filtern und zur Reinigung eingesetzt werden kann. Zum einen werden Zahnpflegeprodukte mit Aktivkohle als wirksam gegen Karies empfohlen, zum anderen zum Aufhellen der Zähne.

Allerdings hat die Aktivkohle überhaupt keine Chance, irgendwelche Bakterien oder Plaqueteile zu binden, da sie schon vor dem Putzen in der Tube mit der Zahnpasta reagiert. Was das Bleichen der Zähne angeht, kann es zwar einen Effekt nur durch die gröberen Teilchen der Aktivkohle geben: Diese mögen tatsächlich kurzfristig in der Lage sein, die Zähne heller erscheinen zu lassen. Schon mittelfristig schmirgeln sie jedoch den Zahnschmelz ab. Dadurch machen sie ihn dünner und rauer. Die Zähne werden anfälliger für Karies und empfindlicher gegen Hitze und Kälte. Und nicht einmal der Aufhellungseffekt hält an: Auf den raueren Zahnoberflächen setzen sich auch gelbe und schwarze Partikel einfacher an.

Lebensmittelfarbe, Kosmetik, Zahnpasta – Ist Aktivkohle nun gesund oder schädlich?

Hier kommt es auf die Dosis und das Einsatzgebiet an. Bei einer Vergiftung kann Aktivkohle fraglos Leben retten. Und wenn sie einmal für die schwarzen Halloween-Muffins Verwendung findet, schadet das sicher nicht. Doch gerade bei der Nutzung zur Zahnreinigung ist Vorsicht geboten. Positive Effekte auf die Zähne sind nicht nachgewiesen. Und um die Zähne heller zu bekommen, ist es jedenfalls gesünder, einfach regelmässig zu putzen oder eine professionelle Zahnreinigung in Anspruch zu nehmen.

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