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Bei der Progenie handelt es sich um eine Fehlstellung des Kiefers, die in der medizinischen Fachsprache auch unter dem Begriff Dysgnathie bekannt ist. Die Bezeichnung Progenie stammt aus dem Lateinischen und verweist auf das typische Erscheinungsbild der Fehlstellung, nämlich ein nach vorn stehendes Kinn. Dieses ergibt sich durch das unausgewogene Verhältnis von Unter- und Oberkiefer. Die unteren Schneidezähne zeichnen sich durch einen Überbiss aus, stehen also vor den oberen Schneidezähnen. Der für die Erkrankung charakteristische frontale Kreuzbiss verändert die Gesichtsform, insbesondere in der Profilansicht. Neben den optischen Auffälligkeiten verursacht die Kieferfehlstellung unter anderem auch Kaubeschwerden bei den Patienten. Es gibt zwei Formen der Progenie, nämlich die echte und die unechte. Bei der echten Progenie ist der Unterkiefer zu stark entwickelt. Hingegen sind Oberkiefer und Mittelgesicht bei der unechten Form durch eine Unterentwicklung gekennzeichnet.
Bei der Progenie leiden die Betroffenen an einer typischen Fehlstellung der Frontzähne. Die echte Progenie äussert sich durch ein stark nach vorn stehendes Kinn und eine dominant erscheinende Unterlippe. Bei der unechten Variante ist das Mittelgesicht aussergewöhnlich flach. Die Kieferfehlstellung äussert sich durch einen Frontzahnüberbiss, der umgekehrt ist. Normalerweise ragen die oberen Schneidezähne leicht über die unteren. Doch bei der Progenie stehen die Frontzähne des Unterkiefers vor jenen des Oberkiefers. Die Patienten besitzen meist einen schmalen oberen Kiefer in Verbindung mit einem ausgeprägten Unterkiefer. Dieses unausgewogene Verhältnis wirkt sich auf die Stellung sämtlicher Zähne aus und betrifft nicht nur die Frontzähne. Denn durch einen zu kleinen Oberkiefer verfügen die Zähne meist über zu wenig Platz.
Die unteren Schneidezähne weisen einen Überbiss auf und stehen dadurch vor den oberen. In manchen Fällen ist der Oberkiefer auch deutlich unterentwickelt, wodurch das Missverhältnis zwischen den beiden Kiefern zu Stande kommt. Die Fehlstellung der Schneidezähne hat unter anderem Folgen für das Kauverhalten der Patienten. Die Kaubewegungen weichen oftmals von jenen gesunder Menschen ab. Die Störungen beim Kauen wirken sich mitunter auch auf das Kiefergelenk aus, das durch die Progenie besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Die Lage der Schneidezähne sowie die Fehlstellung des Kiefers insgesamt führen bei vielen Patienten auch zu Störungen der Atmung durch die Nase. In der Folge atmen die Betroffenen vermehrt durch den Mund. Ausserdem zeichnen sich einige Patienten durch eine besonders starke Nasolabialfalte aus. Auch die Ruheposition der Zunge weicht vom Normalfall ab. Personen mit Progenie legen die Zunge oft unten statt oben ab und lagern sie zu weit im vorderen Bereich des Mundes.
Die Progenie entsteht durch zwei wesentliche Ursachen. Entweder leidet der Patient an einem zu wenig entwickelten Oberkiefer oder an einem zu stark ausgeprägten Unterkiefer. In beiden Fällen kommt es zu einer Progenie. Die Ursachen für diese beiden Fehlentwicklungen sind im Einzelfall jedoch verschieden. Bei manchen Menschen führen Störungen der Zunge zu Fehlentwicklungen des Kiefers. Auch Schwierigkeiten, durch die Nase zu atmen, bewirken mitunter abweichende Entwicklungen der Kiefer. Ein besonders dominanter Auslöser für die Progenie ist jedoch die Genetik. Eltern vererben die Progenie auf dominantem Weg an ihre Kinder.
Mögliche Ursachen der Progenie:
Die Kieferorthopädie stellt neben der Kieferchirurgie die einzige Möglichkeit dar, die Progenie zu behandeln. Die Therapie beginnt im Idealfall so früh wie möglich. Kinder und Jugendliche erhalten diverse Zahnspangen, die herausnehmbar oder fest fixiert sind. Zahnspangen sind aber nicht die einzige Option der Behandlung. Auch chirurgische Eingriffe kommen infrage, vor allem dann, wenn die Behandlungserfolge mit Zahnspangen nicht zufriedenstellend ausfallen. Bei volljährigen Patienten diskutiert der Zahnarzt dann kieferchirurgische Möglichkeiten. Das Ziel der Behandlung besteht darin, den Unterkiefer entweder nach hinten oder den Oberkiefer nach vorn zu verlagern. Sind chirurgische Operationen nötig, kommen dabei kleine Titanplatten zu Einsatz.
In manchen Fällen sind Zahnspangen zur Korrektur der Progenie ausreichend, etwa bei leichten Ausprägungen sowie einem besonders frühen Behandlungsbeginn. Bei vielen Patienten reichen Zahnspangen allein jedoch nicht aus, um die Progenie zu beheben. Wenn die Kieferorthopädie die Fehlstellung nicht vollständig korrigiert, kommen chirurgische Massnahmen in Frage.
Konkrete und erprobte Massnahmen zur Vorbeugung gegen die Progenie existieren nicht. In vielen Fällen ist die Fehlstellung erblich bedingt und entzieht sich somit jeglicher Prävention. Bei Patienten, bei denen beispielsweise Anomalien der Zunge die Progenie begünstigen, besteht hier ein Ansatzpunkt. Generell ist ein zeitiger Therapiebeginn essenziell für eine erfolgreiche Beseitigung der Progenie.
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